Fabian Rook

Mexico #01

Mexico #01-05

Japan #01

Japan #01-05

Fuerteventura-Afghanistan #01-05

Desktop Evidence

(scroll down for english)

Der Raum Google Streetviews und seine Ordnung sind Teile einer medialen Welt, die zwar außerhalb der realen Welt und ihrer Ordnungsgefüge liegen, aber eng mit ihr verknüpft sind und sich als Teil der Lebenswelt zu etablieren beginnen. Virtuelle Erfahrungen werden den physischen in zunehmender Weise gleichgestellt. Immer seltener führt deshalb noch ein Weg hinter die bildlichen Erscheinungen zurück. Virtuelle Welten werden so zwangsläufig zum neuen "Lebensraum" zu einer Erweiterung dessen, was wir als Realität ansehen.

 

Ich habe Wochen in diesem Raum verbracht und bin von meinem Schreibtisch aus durch unterschiedlichen Teile der Streetview Welt gereist. Ich habe die nördlichen Grenzregionen Mexikos besucht und die Auswirkungen des Tsunamis in Japan besichtigt. Dabei habe ich Screenshots angefertigt, die in ihrer Ästhetik etwa an die Fotografien Stephen Shores oder Joel Sternfelds erinnern. Diese Fotografen waren direkte Zeugen des Geschehens vor ihren Kameras. Ihre physischen Erfahrungen entsprachen denen des ( Real- ) Raumes, in dem sie sich bewegten, um ihre Fotografien anzufertigen. Bei meinen Bildern handelt es sich um rein operatives Material. Die Kamera Googles kennt keinen Fotografen oder Autor, kommt aber trotzdem zu vergleichbaren Ergebnissen. Ich fungiere also nicht als Autor im herkömmlichen Sinne. Ich bin weder Herr über die eigentliche Bildproduktion, noch kann ich die vermittelnde Rolle eines Zeugen einnehmen, der tatsächlich vor Ort gewesen ist. Meine Zeugenschaft bezieht sich höchstens auf eine "Wirklichkeit aus zweiter Hand", die sich zwar aus der Realität herleitet, sich mir aber erst durch eine technische Vermittlung offenbart und meine Wahrnehmung der realen Welt durch ihr eigenes Ordnungsgefüge mitbestimmt. Meine Aufnahmen sind Spiegelungen meiner Erlebnisse, die von jedermann, der im Netz ist, jederzeit in identischer Weise wiederholt werden können. Erinnerungen an Situationen, von denen ich zu keinem Zeitpunkt Zeuge sein konnte. Shore und Sternfeld halten die Zeit fest. Ich spare sie aus.

 

Gegenstand meiner Arbeit ist also eine Untersuchung der Bildwelt von Google Streetview. Ich stelle mit ihr Fragen an fotografische Themen, wie Autoren- und Zeugenschaft, indem ich Differenzen und Gemeinsamkeiten zu klassischen, dokumentarischen Stilrichtungen in der Fotografie herausarbeite. Außerdem thematisiert meine Arbeit die Diskussion über die Kontrolle und Überwachung des privaten und öffentlichen Raumes und des hieraus entstehenden Machtgefüges.

 

So liegen dem dritten Teil meiner Arbeit ebenfalls Bilder aus Google Streetview zu Grunde. Diese Bilder dienen jedoch nur als Bühne für die Inszenierung einer fiktiven Dokumentation aus Krisengebieten des Nahen Ostens und der arabischen Welt.

Dafür füge ich dem Ausgangsmaterial Details aus fotojournalistischen Motiven hinzu, die ich den Bilddatenbanken verschiedener Bildagenturen entnommen habe. Auf diese Weise löse ich die Bilder von Google Streetview aus ihrem topographischen Kontext (etwa der Kanaren-Insel Fuerteventura) und überführe sie, durch das Hinzufügen von (typischen) bildlichen Hinweisen, in die besagten Konfliktregionen. Der Anschein, es handele sich bei den von mir montierten Bildern um reines Streetview Material stellt die Frage nach dem (historischen) Machtpotential, das in Googles bestreben liegt, ein fotografisches Generalarchiv der Welt anzufertigen.

Desktop Evidence

My work shows three different photo series – my „journey“ takes me to Mexico and the destroyed coastal areas of Japan, ending with a third, fictional documentary of the troubled regions in the Middle East. It only becomes clear upon closer inspection that these pictures are not reproductions originating from a photographer’s camera during an actual trip.

Instead of travelling the real world, I have traveled the world from my desktop. I put the spotlight on the image world of Google Street View by producing screenshots of my places of choice. Thanks to processing and montage work, I have created an aesthetic that references the specific picture strategies of American photographers like Joel Sternfed and Stephen Shore.

By reverting to the auto-produced landscape images taken by Google Street View and by not putting in an appearance of myself either as the author of an image or as an eyewitness, I highlight the meaning of the authorial and witness role in the production of photographic images.

The third part of my work continues that train of thougt. As before, Street View images are the basis, but their function is restricted to a space giving stage. I created these images by superimposing details from photojournalistic images onto my starting material. I release the Streetview images from their topographical context (for instance the spanish island of Fuerteventura) and transform them into conflict regions by adding (typical) visual references. A street in Sao Paulo/Brazil is populated by demonstrators from Iran and Greece, and perhaps a child is just playing, yet also possibly fleeing from an Iranian policeman on a motorbike. On Fuerteventura, a dead member of the Taliban lies on the red sand, in the backround, a Mosque is superimposed on the image. The scene is immediately located in Afghanistan. The locations and details converge and are exchangeable, while the pictures have the same variability and arbitrary quality that enables the user to switch continent in Google Streetview with a single mouseclick. The appearance of my picture montage as purely Streetview material is specifically intended to pose the question of the (historical) potential power which is intrinsic in Google´s efforts to compile the most comprehensive photo archive of the globe.

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